Wehlheiden: Verkehrsversuch soll verstetigt werden

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Fahrradzone an der Sternbergstraße: Das Rad soll künftig weiß statt gelb auf dem Asphalt prangen. (Foto: Paul Bröker)

Nicht die perfekte Lösung, aber weniger Durchgangsverkehr und mehr Sicherheit für Radfahrer. Der Verkehrsversuch in Wehlheiden ist überwiegend ein Erfolg, wie der Ortsbeirat befindet. Daher sollen die Regelungen dauerhaft gelten.

Kassel – Zur letzten Sitzung der Legislatur kam am Donnerstag, 29. Januar 2026, ab 19 Uhr der Ortsbeirat Wehlheiden in den Bürgerräumen zusammen.

Bevor es zur Tagesordnung ging, wurde geklärt, dass über die Aufstellung einer Gedenktafel auf dem Friedhof Wehlheiden nur unter „Mitteilungen“ informiert werden kann. Eine Abstimmung darüber sei nicht möglich, da für eine Zweidrittelmehrheit neun Stimmberechtigte anwesend sein müssten. Es waren jedoch nur acht anwesend.

TOP 1: Fahrradzone Wehlheiden

Markus Funke vom Straßenverkehrs- und Tiefbauamt hielt einen PowerPoint-Vortrag über die Erkenntnisse nach Einrichtung der Fahrradzone in Wehlheiden, dem Verkehrsversuch. Bei einer einmaligen 24-Stunden-Zählung sei herausgekommen, dass der Kfz-Verkehr zurückgegangen sei und der Radverkehr zugenommen habe.

Der Ortsbeirat Wehlheiden hatte 2023 seine Empfehlung für den Verkehrsversuch ausgesprochen. Von April 2024 bis April 2025 fand dann offiziell die Testphase statt. Ziel sei es gewesen, so Markus Funke, die Verkehrssicherheit im Wohngebiet zu erhöhen und dem Radverkehr Vorrang zu gewähren.

Am Kleinen Holzweg sei bei der einmaligen Messung beispielsweise ein Rückgang des Kfz-Verkehrs von 15 Prozent festgestellt worden. Jedoch hätten die Anwohner zurückgemeldet, dass manche Verkehrsteilnehmer weiterhin in der Fahrradzone rasen würden, wo maximal 30 km/h erlaubt sind. Auch der Schleichverkehr sei weiterhin vorhanden. Des Weiteren sei die Frage aufgekommen, warum man den Verkehrsversuch nicht wie in Wahlershausen mit einem modalen Filter gestaltet habe. Antwort: Man habe die Modelle – mit und ohne Modalfilter – miteinander vergleichen wollen. Insgesamt bemängelten die befragten Anwohner, dass es immer noch zu viel Durchgangsverkehr gegeben habe. Eine leichte Verbesserung sei aber spürbar gewesen.

Der Vorschlag des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts: Die Maßnahmen, die der Verkehrsversuch eingeführt hat, sollen verstetigt werden. Somit sollen die Fahrbahnmarkierungen von gelb auf weiß geändert werden. Außerdem ist im Gespräch, einen Modalfilter nachzurüsten, etwa in Form einer zusätzlichen Einbahnstraße.

Mitglieder des Ortsbeirats bemängelten wiederum, dass nur eine Verkehrsmessung an einem einzelnen Tag durchgeführt wurde. Markus Funke gestand ein, dass eine zweite Messung hätte stattfinden müssen. Jedoch sei diese wegen einer Baustelle nicht möglich gewesen, da die Ergebnisse sonst verfälscht gewesen wären.

Da es sich bei dem Verkehrsversuch um einen verkehrsbehördlichen Prozess handelt, sei ein Beschluss des Ortsbeirats nicht erforderlich, erklärt Funke. Nur die Ordnungsbehörde habe dabei ein Wort. Somit wurde über den TOP 1 nicht abgestimmt.

TOP 2: Schiedspersonen-Wahl

Zafer Celik, 58 Jahre, stellte sich als Nachfolger von Norbert Hansmann vor. Er sagte, er begreife sich nicht als „Dorfsheriff“ und fügte hinzu, dass er in Wehlheiden nicht oft gebraucht werde. „Ich habe nur drei bis vier Fälle im Jahr“, so Celik. Einstimmig wurde er im Amt bestätigt.

TOP 3: Benennung Parkfläche am Bundessozialgericht

Norbert Sprafke (SPD) berichtete über die Vorschläge zur Benennung der bislang namenlosen Parkflächen vor dem Bundessozialgericht. Auf der Höhe der Wilhelmshöher Allee gibt es beidseitig eine parkartige Rasenfläche, die bislang keinen Namen trägt. Sprafke sagte, er habe sich für eine Benennung nach der US-amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks (1913–2005) eingesetzt. Im Laufe der Erörterung sei jedoch der Name Anna Zinke (1892–1958) bevorzugt genannt worden. Bei Zinke handelt es sich um eine frühere SPD-Politikerin. Sie war 1946 Abgeordnete der Verfassungberatenden Landesversammlung Groß-Hessen.

TOP 4: Lärmbelastung Tischbeinstraße

Der Ortsbeirat fordert die Einrichtung einer ganztägigen Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 an der Tischbeinstraße auf Höhe des Kurt-Kersten-Platzes. Dort würden sich die Anwohner seit der Sanierung der Bushaltestelle über erhöhten Verkehrslärm beschweren, sagt der Ortsvorsteher. Bei der Sanierung seien Betonplatten an der Haltestelle eingesetzt worden, damit die Busse keine Furchen in den Asphalt fahren. Jedoch verursache die Riffelung des Betons starken Lärm, wenn ein Kfz darüberfährt. Da ohnehin die Tempo-30-Regelung an dieser Stelle nicht klar geregelt sei, setzt sich der Ortsbeirat für Tempo 30 ganztägig an der Stelle ein. An der Kohlen- und Schönfelderstraße gelte schließlich schon nachts Tempo 30. Dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst.

Mitteilungen

Die Stadt Kassel hatte zugesagt, 4500 Euro zu geben, um eine Gedenktafel auf dem Friedhof Wehlheiden zu installieren. Mit der Tafel soll der Gestapo-Opfer am Karfreitag 1945 gedacht werden. Auf der Tafel soll unter anderem auch Wolfgang Schönfeld abgebildet sein, der bei dem Massaker getötet wurde. Es soll mit der Gedenktafel ein würdiger Ort der Erinnerung und Mahnung entstehen. Weil nicht genügend stimmberechtigte Mitglieder des Ortsbeirats Wehlheiden anwesend waren, wurde kein Beschluss gefasst. Dennoch erklärte der Ortsvorsteher, dass der zuständige Arbeitskreis weiter mit der Verwirklichung der Gedenktafel betraut ist. Die Ortsbeiratsmitglieder nahmen dies zustimmend zur Kenntnis.

Des Weiteren wurde informiert, dass das Quartiersbüro in der Gräfestraße nach 240 Beratungsterminen nicht mehr ausgelastet sei. Es wurde nach Nutzungsmöglichkeiten gefragt und die VHS als potenzielle Partnerin ins Gespräch gebracht.

Zum Schluss wurden drei Mitglieder des Ortsbeirats verabschiedet. Sie treten bei der bevorstehenden Ortsbeiratswahl nicht mehr an und haben an diesem Tag somit ihre letzte Sitzung als Ortsbeiratsmitglieder. Norbert Sprafke (SPD) hat dem Stadtteil 39 Jahre als Ortsbeiratsmitglied gedient, darunter 28 Jahre als Ortsvorsteher. Er wurde mit einem Blumenstrauß und Applaus verabschiedet. Auch Martin Heck (Grüne) und Klaus Hansmann (parteilos) wurden feierlich verabschiedet.

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