Wrapped: Welche Filme, Musikalben und Bücher mich 2025 begeistert haben

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Beweisfoto: Ja, ich habe auch 2025 noch CDs und Papierbücher gekauft. (Foto: Paul Bröker)

Wie schon Spotify schaue auch ich auf das Jahr 2025 zurück: Welche Filme habe ich genossen? Welche Bücher durchwälzt? Welche Musik rauf- und runtergehört? Hier meine Top 3 Neuentdeckungen aus Film, Literatur und Musik.

Filme

Therapie für Wikinger (2025)

Ein Film mit Mads Mikkelsen ist immer vielversprechend. Und tatsächlich: Therapie für Wikinger (Regie: Anders Thomas Jensen) enttäuscht nicht. Viel Blut, Action, Humor und eine Geschichte, die stimmig ist bis zum Schluss. Zur Handlung: Nach einem Raubüberfall verbüßt Anker (Nikolaj Lie Kaas) eine Haftstrafe von 15 Jahren. Als er herauskommt, will er sich die Beute zurückholen. Doch das ist schwieriger als gedacht. Sein Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) hält sich für den Beatle John Lennon und will partout nicht mit dem Versteck herausrücken. Er hat seit dem letzten Zusammentreffen eine kuriose Persönlichkeitsstörung entwickelt, ist aber der Einzige, der weiß, wo die Tasche mit dem Geld ist. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Hundreds of Beavers (2022)

Letztens habe ich in der Film-Abteilung einer Drogerie ein Gespräch belauscht. Ein Mittdreißiger schwärmte einem anderen von Hundreds of Beavers (Regie: Mike Cheslik) vor. Zurecht empfahl er diesen Film, der schon 2022 in den USA in die Kinos kam, in Deutschland jedoch erst Anfang 2025. Der Plot ist nicht so entscheidend, um dem Film etwas abzugewinnen. Trotzdem kurz zusammengefasst: Ein Rudel hungriger Biber zerstört den Vorrat an Applejack Cidre, den sich der Schmuggler Jean Kayak angelegt hat. Ein herber Verlust. Fortan muss dieser zum Pelzjäger werden, um sein Geld zurückzubekommen. Die Optik macht den Film einzigartig. Schwarz-weiß und in Stop-Motion-Technik gedreht: wie ein Stummfilm aus den 1920er-Jahren. Aber mit einem Humor und einer Situationskomik von heute.

Der Hochstapler – Roofman (2025)

Diesem Film konnte ich beim Blick ins Programm zunächst nichts abgewinnen. Doch Wolfgang M. Schmitt vom YouTube-Kanal Die Filmanalyse wurde bereits zu Beginn seiner Kritik so euphorisch, dass ich das Video stoppte und mich kurz darauf ins Kino begab. Es hat sich gelohnt. Der Hochstapler – Roofman (Regie: Derek Cianfrance) basiert auf einer wahren Geschichte. Ein Familienvater braucht Geld und hat eine hervorragende Beobachtungsgabe, die er bereits in seiner Army-Zeit gewinnbringend eingesetzt hatte. Es reift ein Plan, um zu Geld zu kommen: Er begeht eine Reihe von Einbrüchen in McDonald’s-Filialen, indem er über die Abluftschächte auf dem Dach einbricht, die Angestellten mit einer Pistole bedroht, sie jedoch äußerst höflich bittet, ihm die Tageseinnahmen auszuhändigen. Irgendwann läuft aber nicht mehr alles, so wie es soll, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Der Film spielt in den frühen 2000er-Jahren. Im Grunde zeigt er aber den grundsätzlichen Überlebenskampf im amerikanischen Kapitalismus, in dem die Gewieftesten gewinnen und solche mit guten Absichten oft das Nachsehen haben, wenn sie sich nicht fügen wollen.

Bücher

Roland Paulsen: Die große Angst: Warum wir uns mehr Sorgen machen als je eine Gesellschaft zuvor (2021)

Da bin ich ja einer der Ersten, der das in die Hände bekommt. Das dachte ich mir, als ich Anfang 2025 in einer wissenschaftlichen Datenbank Roland Paulsens Why we worry (2024) entdeckte und auf meinem Tablet begeistert las. Zuvor war ich auf ihn im Jacobin Magazin gestoßen, wo er den Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum bei jungen Menschen und psychischen Erkrankungen kritisch beleuchtete. Was ich damals nicht wusste: Sein Buch war 2021 – mitten in der Corona-Pandemie – bereits auf Deutsch unter dem Titel Die große Angst erschienen. Jedenfalls faszinierte mich der Blick des Soziologen Paulsen auf Psychiatrie und Psychotherapie. Mich überzeugte besonders seine Feststellung, dass psychiatrische Diagnosen zunehmen – aber nicht erst seit dem Aufkommen von Smartphones, Spielekonsolen und Social Networks. Vielmehr zeige sich in den Daten bereits seit den 1980er-Jahren ein deutlicher Anstieg. Eine eindeutige Erklärung gebe es dafür zwar nicht, doch Paulsen sieht einen Zusammenhang mit dem erhöhten Stress in den kapitalistischen Gesellschaften des Westens im Zuge des Neoliberalismus.

Thorsten Mense: Kritik des Nationalismus (2023)

Man muss rausgehen, die Komfortzone verlassen – und sich erheitern lassen von allem, was anders ist und anregt, aufzubrechen. Naja, so ganz trifft das auf meine Beweggründe, zum szenischen Vortrag „Normal – Eine Besichtigung des Wahns“ am 13. April 2025 zu gehen, nicht zu. Doch ein Bekannter stieß in der konkret auf die Anzeige für die Veranstaltung. Und ich hätte wirklich etwas verpasst: einen spannenden Vortrag und im Nachgang ein Buch. Den Vortrag kann man immer noch besuchen. Thomas Ebermann, Thorsten Mense und Flo Thamer touren mit ihm durch die Lande. Und das Buch ist vorrätig im Buchhandel. Thorsten Menses Kritik des Nationalismus behandelt im Grunde alles, was man zum Nationalismus wissen muss. Es darf bezweifelt werden, dass man nach der bereitwilligen Lektüre des Werks noch groß etwas mit Nationalstaaten und ihrem Souveränitätsanspruch anfangen kann. Dabei agitiert es nicht, sondern fasst den Forschungsstand unaufgeregt zusammen. Gerade die Infragestellung, ob Nationalismus als Befreiung verstanden werden kann, könnte bei manchem Linken ein Überdenken seiner Haltung hervorrufen.

Konstantin Richter: Dreihundert Männer: Aufstieg und Fall der Deutschland AG (2025)

Viel gelobt wurde im vergangenen Herbst Konstantin Richters Buch Dreihundert Männer. Wer sich schon mit deutscher Wirtschaftsgeschichte beschäftigt hat, wird hier kaum etwas Neues finden. Aber wer hat das schon? Und wer hat die Geschichte der deutschen Industrie von der Reichsgründung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990 schon so bravourös und super lesbar zusammengeschrieben? Wohl kaum jemand. Deswegen hat das Buch all das Lob verdient, mit dem es bereits von vielen Kritikern überschüttet wurde. „In den letzten Jahren haben Autoren wie Florian Illies, Wolfram Eilenberger und andere eine Technik entwickelt, um komplexe geschichtliche oder geistesgeschichtliche Zusammenhänge unterhaltsam darzustellen“, schreibt Richter im Anhang über sein Vorgehen. „Mein Projekt eignete sich für diese Montagetechnik besonders (…).“ Man springt von einem Ereignis zum anderen. Alles ist miteinander verwoben. Quasi wie ein Film, der vorm inneren Auge abläuft. Klasse!

Musik

Jamie xx: In Waves (2024)

Die Musikpresse zeigte sich schon bei Jamie xx’s vorherigem Album In Color (2015) überschwänglich. Dann kam lange erst mal nichts. Jamie xx arbeitete weiter an Songs für die Band The xx, die 2009 mit ihrem Album xx den Durchbruch feierte. Am ikonischen weißen ×, das eigentlich ein Mal-Zeichen und kein x darstellt, kam man Ende der Nullerjahre als Indie- und Elektro-begeisterter Hörer nicht vorbei. Auch ich nicht. Aber ich beschäftigte mich nicht allzu viel mit der Band dahinter. Hätte Jamie xx Ende 2024 nicht In Waves herausgebracht und wäre das Album nicht so oft rezensiert worden: Ich hätte von ihm bis heute nichts gehört. Das Album ist tanztauglich, aber genauso gut für inspiriertes Nebenherhören beim konzentrierten Arbeiten geeignet. Der Stil erinnert mich an einen anderen Künstler, den ich 2025 für mich entdeckte, auch wieder später als die meisten Eingeweihten: Fred again.. Doch Jamie xx’ Musik hört sich introvertierter und traumwandlerischer an. Damit kann ich mich gut identifizieren.

Lorde: Virgin (2025)

Lorde hat mich mit ihrem neuen Album Virgin begeistert und gleichzeitig verfluche ich sie. Denn die CD-Ausgabe des Albums lässt sich in keinem mir bekannten CD-Player abspielen. Der CD-Rohling ist transparent und der Laser der meisten Player kann die Scheibe nicht lesen, weil die Reflexionsschicht nicht erkannt wird. Ein teures Andenken, die Musik dann doch zu streamen. Ein Andenken ist das neue Album für mich ohnehin. Vor langer Zeit, als ich eine schwere Zeit durchmachte, hörte ich das Debütalbum Pure Heroin (2013) rauf und runter. Lordes Stimme drang durch, die darin vermittelte Melancholie resonierte in mir. Virgin ist ihr viertes Studioalbum. Wie so oft habe ich durch Deutschlandfunk Nova davon mitbekommen. Der Song What Was That lief dort Anfang 2025 in der Heavy Rotation. Im neuen Album hört man Zorn und Kampfgeist heraus, verbunden mit einer gewissen Verletzlichkeit. Vielleicht wieder eine Parallele zu meiner eigenen Stimmung?

DJ-Kicks: Modeselektor (2025)

Auch 2025 war ich wieder viel in Technoclubs unterwegs. Im Club zählt die Stimmung. Nur sehr selten höre ich vertraute Klänge. Es reißt mich mit, ich tanze, schwitze, verausgabe mich, verliere Zeit und Raum aus dem Blick. So muss das sein. Heute läuft in den Clubs aber eine andere Musik als noch vor Corona und erst recht im Vergleich zu der Zeit, als ich erwachsen wurde. Minimal Techno oder Deep House, das waren noch Anfang der 2010er-Jahre die Genres, in denen deutsche Künstler führend waren – und die oft zu hören waren, wenn auch nicht dominant. Einmusik und Oliver Schories haben mich geprägt. Aber auch die ganze Sippe um das Label Monkeytown Records. Bis vor kurzem hatte ich keinen Schimmer, wer eigentlich dahinter steckt. Ich hatte schon 2011 auf einer Kitsuné Maison Compilation den Track High Together von Siriusmo gehört. In der Folge kaufte ich mir zwei seiner CDs – beide vom genannten Label. Und? Tja, das Label wurde 2009 von Modeselektor gegründet, dem Berliner Musiker-, Produzenten-, DJ- und Liveact-Duo, bestehend aus Gernot Bronsert und Sebastian Szary. 2025 wurde mir dann auf irgendeinem Internet-Trip der DJ Kicks-Mix der beiden empfohlen. Meine Musik im Mix. Zurück zu den Ursprüngen.

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