Ortsbeirat Wehlheiden: Bald Drive-Thru wie bei McDonald’s für Elterntaxis an der Hupfeldschule?

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Kommt an der Hupfeldschule bald der Drive-Thru für Elterntaxis? (Symbolfoto: Peter Dyllong/pexels.com)

In seiner zweiten Sitzung diskutierte der Ortsbeirat über den Entwurf zur Fortschreibung des Schulentwicklungsplans. Auch der Gastgeber, die Hupfeldschule, war ein großes Thema. Insbesondere der Verkehr und das heruntergekommene Schulschwimmbecken sorgten für Diskussionen.

Kassel – Ein saftiger Big Mac war die Wehlheider Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend, 27. Mai 2026, von 19 bis 21.15 Uhr wahrlich nicht. Aber der Anreiz, auch mal einen Bissen vom Schulzimmer-Charme abzubekommen, lockte dennoch ein gutes Dutzend Gäste in den Pavillon B der Hupfeldschule in Wehlheiden.

Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne), beruflich als Moderatorin tätig, sorgte gleich zu Beginn für Struktur: Mit gelben Kartonkarten zeigte sie, wie sie sich die Diskussion im Ortsbeirat Wehlheiden ab sofort vorstellt. Ihre Prinzipien: 1. Kurz halten (1 min), 2. Wiederholungen vermeiden 3. Gewählte zuerst. Ohne Murren willigten die elf anwesenden Ortsbeiratsmitglieder ein. Abwesend: Sandra Mijatović (Grüne) und Karl Widdekind (CDU). Die Regelung zahlte sich aus: 21.15 Uhr ist zwar keine Punktlandung, aber auch nicht weit von der gesetzten 21-Uhr-Frist entfernt.

Als Erstes gab es eine Bürgerfragestunde:

  • Probleme an der Sternbergstraße: Ein Anwohner, ADFC-Mitglied, erinnerte an den Vortrag in der vorletzten Ortsbeiratssitzung von Markus Funke vom Straßenverkehrs- und Tiefbauamt. Damals war in Aussicht gestellt worden, die provisorischen gelben Fahrbahnmarkierungen zu verstetigen: Weiß sollten sie fortan sein. Doch davon sei bislang nichts zu sehen. Und: Was sei eigentlich mit dem Modalfilter, also einer zusätzlichen Einbahnstraßenregelung? Eine andere Anwohnerin beklagte, dass seit Einrichtung der Fahrradzone offenbar vielen Autofahrern nicht mehr bewusst sei, dass sie dort nur Tempo 30 fahren dürfen. Wiederum ein anderer Anlieger: Die Situation sei unzumutbar. Die Stadt könne diesen Zustand nicht aussitzen. Wenn Kontrollen, dann auch nachts. Jan Hörmann (CDU) wandte ein, dass nur Bürgerfragen wirksam seien, die sich an den Magistrat richten. Die Fragen müssten also auch so formuliert sein. Auch müssten die Fragen einzeln formuliert werden, da sie einzelnen Fragestellern zugeordnet seien.
  • Ecke Adolfstraße 58/Heinrich-Heine-Straße. Obwohl die Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt ist, würden immer wieder Autofahrer auf Höhe des Altpapiercontainers an der Sperre vorbei über den Gehweg fahren. Eine Gefahr für die Kinder der Fragestellerin. Dies ließe sich doch eventuell mit einem Blumenkübel verhindern.
  • Wehlheiden Kirmes: Ist sichergestellt, dass der Georg-Stock-Platz während der Kirmes genutzt werden kann? Und: Sind die Bauarbeiten an der Kohlenstraße bis zur Kirmes abgeschlossen, sodass die Kirmes dort stattfinden kann? Ergänzung Andreas Nitsch (SPD): Ist ein Umzug des Wehlheider Wochenmarktes während der bevorstehenden Umbauarbeiten zum Georg-Stock-Platz möglich?
  • Elternbeirat-Mitglied der Hupfeldschule: Wie kann die Verkehrssicherheit am Übergang Kohlenstraße/Pfeifferstraße angesichts von Tempoüberschreitungen gewährleistet werden?

Nach der Bürgerfragestunde (13 Minuten) ging es in die Tagesordnung:

  • Bericht der Rektorin der Hupfeldschule, Nicole Rudolph: Die Schulleiterin berichtete unter anderem von der strukturellen Herausforderung ihrer Schule, die sie seit einem Jahr leitet. Davor war Nicole Rudolph Leiterin der Auefeldschule, ebenfalls in Wehlheiden. Seit dem laufenden Schuljahr fährt die Schule dreizügig. Im Jahr 2024/25 zählte die Schule noch zwei erste Klassen. Angeblich herrsche jetzt der „Himmel auf Erden“, wenn man den Stundenzuweisungen des Kultusministeriums Glauben schenke. Doch das Gegenteil sei der Fall. Es würden Stunden gekürzt, um sie den Startchancen-Schulen in anderen Stadtteilen zuzuweisen. „Das knabbert stark an meinem Solidaritätvermögen“, so die Schulleiterin. Die Schülerzahlen seien weitestgehend stabil. Sehr ärgerlich jedoch: der Umgang mit neuen Schülern bei der Anpassung der Schulbezirke. Mitten während der Probeschultage sei entschieden worden, dass einige Schüler aufgrund ihres Wohnorts urplötzlich auf die Herkulesschule im Vorderen Westen kommen sollen. „Ein unsäglicher Zeitpunkt.“ Sie freue sich hingegen über einen ausgesprochen aktiven Elternbeirat. Da ihre Vorgängerin Ute Waffenschmidt die Leitung zuletzt nicht vor Ort ausübte, sei viel liegengeblieben. Mit der Neufindung sei man aber „auf einem sehr guten Weg“.
  • Schulschwimmbecken an der Hupfeldschule: Jan Hörmann (CDU) sagte, man habe sich als Ortsbeirat in der Vergangenheit mehrmals für ein Lehrschwimmbecken in Wehlheiden starkgemacht. Seine Forderung: Das Lehrschwimmbecken an der Hupfeldschule, seit zehn Jahren nur noch Schutt und nicht mehr in Gebrauch, soll saniert werden. Die Pläne hierfür sollten nicht zu den Akten gelegt werden. Darauf erwiderte Rektorin Rudolph: „Wir geben uns dieser Illusion nicht hin.“ Für sie sei es nicht realistisch, das Lehrschwimmbecken wieder zu aktivieren. Stattdessen bevorzuge sie es, das Gebäude anderweitig gewinnbringend zu nutzen. a) Als Bewegungsraum, der auch von Vereinen genutzt werden könnte. b) Als Musik- oder Probeband, den auch junge Bands nutzen könnten. Die Rückmeldung zu diesen Plänen seitens der Stadt Kassel sei jedoch nicht gut gewesen. Überhaupt eine sinnvolle Nutzung zu erreichen, sei ihre Minimalbedingung, so Rudolph. Dieser Auffassung schloss sich Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) an. Ihr Vorgänger Stephan Amtsberg (Grüne) teilte seine Einschätzung mit, dass ein Neubau eines Lehrschwimmbeckens an dieser Stelle nicht mehr möglich sei. Aus dem Publikum: Wo entsteht dann Ersatz? Schließlich sei es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler noch in der Grundschule schwimmen lernen. In diesem Punkt waren sich auch alle Ortsbeiratsmitglieder einig.
  • Verkehrssituation an der Hupfeldschule: Der Verkehr sei ein massives Problem an ihrer Schule, so Rudolph. Es bedürfe nur einer Störung vor der Tür, etwa einer Baustelle, und gleichzeitig einer Fortbildung oder Gesamtkonferenz. Schon sei das Straßennetz überlastet. Lehrer, die von anderen Schulen anreisen, seien genau dann (circa 13 Uhr) auf Parkplatzsuche, wenn die Schulkinder gerade das Gebäude verlassen. Hier entstünden gefährliche Situationen. Wenn dann noch Regenwetter für mehr Autoverkehr sorgt, sei das Chaos komplett. Ein möglicher Plan: Unterhalb der Turnhalle auf eigenem Grundstück Privatparkplätze für einen eingeschränkten Besucherkreis schaffen. Und: Eine Elternanfahrt einrichten, sodass die Autos nicht den Weg versperren. Auch eine Idee: Schulstraßen einrichten, die den Durchgangsverkehr zu gewissen Uhrzeiten fernhalten. Ebenfalls zu erwägen: Modalfilter, zum Beispiel in Form einer Einbahnstraße.
  • Beschlüsse zur Hupfeldschule: 1. Die Ortsbeiratsmitglieder beschlossen einstimmig zu prüfen, wie von Rudolph vorgeschlagen, Privatparkplätze auf dem Schulgelände sowie eine „Kinderauslassbucht“ für Elterntaxis einzurichten. In diesem Zusammenhang fiel auch das Wort „Drive-Thru wie bei McDonald’s“. Rudolph hatte zuvor erklärt, dass man bereits vieles unternehme, um Eltern davon abzubringen, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen – jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. 2. Ob eine Einbahnstraßenregelung infragekäme, wurde in die neue Arbeitsgemeinschaft (AG) Verkehr überwiesen. Gegen diese Entscheidung stimmte nur Nicolo Mazzola (Die Linke). 3. Einstimmig dafür: Einrichtung eines Parkplatzes für Menschen mit Behinderung auf dem Grünstreifen hinter der Schuleinfahrt (akuter Bedarf). Und: Zusätzlich Einrichtung einer Zone zum Be- und Entladen.
  • Entwurf zur 13. Teilfortschreibung des Schulentwicklungsplans: Einen Änderungsantrag zu Schulentwicklungsplan brachte zunächst Sabine Nödler (SPD) ein: Nach ihrem Willen soll an der Luisenschule im Vorderen Westen eine neue Lehrschwimmstätte errichtet werden. Hierfür habe es bereits eine Machbarkeitsstudie gegeben, die nun wieder aufgegriffen werden könnte. Profitieren würden selbstredend nicht nur Schülerinnen im Vorderen Westen, sondern auch im angrenzenden Wehlheiden. Jan Hörmann (CDU): „Wir sollten unser Lehrschwimmbecken an der Hupfeldschule nicht beerdigen.“ Als Wehlheider Ortsbeirat solle man sich für ein Becken im eigenen Stadtteil starkmachen. Schulleiterin Rudolph berichtete, dass ihre Schüler derzeit das Becken am Wilhelmsgymnasium nutzen. Dies sei jedoch sehr klein, sodass zwei Drittel eines Jahrgangs in der Schule bleiben müssen und stattdessen normalen Sportunterricht haben. Yasemin Sönmez (Die Linke) gab zu bedenken, dass ein Lehrschwimmbecken in Wehlheiden nicht nur die Bedarfe der Schule, sondern auch von Kitas und Vereinen abdecken könnte. Einstimmig beschloss der Ortsbeirat schließlich, die Wiederrichtung eines Lehrschwimmbeckens an der Hupfeldschule zu fordern. Davon unabhängig ergänzte der Ortsbeirat für den Entwurf des Schulentwicklungsplans einstimmig, dass Schulkindern in ganz Kassel ein schulstandortnaher Schwimmunterricht zu ermöglichen sei. Andreas Nitsch (SPD) überraschte den Ortsbeirat mit dem Antrag, angesichts von neuen Wohnbauprojekten die Errichtung einer neuen Grundschule im Westen der Stadt zu prüfen. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht abgestimmt. Die Diskussion über die Entwicklungen bei den Schülerzahlen drohte dann, die Sitzung zu sprengen. Rektorin Nicole Rudolph konnte mit ihrer Expertise dem jedoch Einhalt gebieten. Die Schülerzahlen seien relativ stabil und an der Fortschreibung im Entwurf sei grundsätzlich nichts auszusetzen. Dieses Urteil befriedigte den Ortsbeirat, der den Entwurf für die 13. Teilfortschreibung des Schulentwicklungsplans daher einstimmig zur Kenntnis nahm.
  • Sanierung Heinrich-Heine-Straße: Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) nahm das Thema Heinrich-Heine-Straße auf die Tagesordnung. Es gebe möglicherweise wieder Fördermittel für das Projekt, das in der Vergangenheit am Anwohnerprotest gescheitert war. Damals sollten 90 Linden gefällt werden. Freudenbergs Plädoyer: Die Umsetzungsplanung wieder aufnehmen. Jan Hörmann (CDU) sagte, dieses Projekt habe angesichts anderer Baustellen im Stadtteil keine Priorität. Stadtverordneter Mario Lang (SPD), zu Gast aus dem Ortsbeirat Vorderer Westen als Stadtteilbeauftragter, erklärte dagegen, dass die Kanalsanierung an der Heinrich-Heine-Straße durchaus Priorität habe. Letztlich: 7 Stimmen dafür (SPD, Grüne, Ylva von Löhneysen (parteilos/Die Linke)), 4 Stimmen dagegen (Die Linke, CDU).
  • Gedenktafel Wehlheider Friedhof: Stephan Amtsberg (Grüne) berichtete von der AG Gedenktafel. So übernehme Oberbürgermeister Sven Schoeller (Grüne) die vollen Kosten für die Gedenktafel zu Ehren der 78 italienischen Zwangsarbeiter, die kurz vor Kriegsende an Karfreitag hingerichtet wurden. Einstimmig erteilte der Ortsbeirat der AG den Auftrag, bis September 2026 weiterzuarbeiten.
  • Dispositionsmittel: Laut Madlen Freudenberg (Grüne) sind noch 4437,03 Euro an Dispositionsmitteln für 2026 übrig, über die der Ortsbeirat verfügt. Nachträglich wurde der Kranz für das Gedenken an Karfreitag bewilligt. Somit blieben noch etwa 4300 Euro übrig. Über die weitere Verwendung der Mittel soll bei einer kommenden Sitzung entschieden werden. Bedarfe gebe es von der Wehlheider Kirmes (1000 Euro), dem Kasseler Frauenlauf am 6. September 2026 (150 Euro), den Bürgerräumen Wehlheiden (1000 Euro) und den Jugendräumen Wehlheiden (750 Euro).
  • Wiedereinführung AG Verkehr: Wie bereits in der Vergangenheit soll sich wieder eine Arbeitsgemeinschaft (AG) Verkehr bilden, der Mitglieder aller Fraktionen angehören. Laut Jan Hörmann (CDU) könne dies dazu beitragen, die Diskussion in der Ortsbeiratssitzung zu verkürzen, indem im Vorfeld Einvernehmen hergestellt werden könne. Schließlich gebe es in Wehlheiden viele strittige Verkehrsthemen, die schon bald den Ortsbeirat beschäftigen könnten: Parkgebührenzonen, zu geringe Straßenbreiten, Sperrung der Brücke an der Kohlenstraße/Druseltalstraße über die Bahngleise nach der documenta, um nur ein paar zu nennen. Die AG tage intern, die Bürgerbeteiligung sei in den Ortsbeiratssitzungen vorgesehen. Der Autor wies Hörmann darauf hin, dass der Vergleich mit einem Ausschuss hinke, da diese öffentlich tagen. Außerdem sei es fragwürdig, die Bürgerschaft von der Entscheidungsfindung im gewählten Gremium auszuschließen. Mindestens eine Möglichkeit, seine Belange in die AG einzubringen, müsse vorgesehen werden, so das persönliche Dafürhalten. Laut Hörmann sei ein Austausch außerhalb der Öffentlichkeit bei Arbeitsgemeinschaften die Praxis. Er opfere ja seine Freizeit, um ehrenamtlich für den Ortsbeirat zu arbeiten. Der Autor hält es dagegen für unanständig, dass Bürger, die sich ebenso freiwillig in eine Ortsbeiratssitzung setzen, über eine vermeintliche Einstimmigkeit getäuscht werden, deren Entwicklung sie nicht mitverfolgen konnten. Dieses Vorgehen mag etabliert sein, zeugt jedoch von einem fragwürdigen, angestaubten Demokratieverständnis. Pikant: In der AG Gedenktafel weicht der Ortsbeirat von seiner eigenen Regelung ab: Hier darf zum Beispiel auch der aus dem Ortsbeirat ausgeschiedene langjährige Ortsvorsteher Norbert Sprafke (SPD) weiter als beratendes Mitglied teilnehmen. Dies sei bei Gründung der AG so festgelegt worden und nicht vergleichbar, so Hörmann. Überhaupt sei es ja bereits großzügig, dass sich Bürgerinnen und Bürger während der Ortsbeiratssitzung zu Wort melden dürften. Dies sei eine Besonderheit in Wehlheiden und nicht in jedem Stadtteil der Fall.
  • Verfahren wegen Stellvertreter-Wahl: Bei der ersten Ortsbeiratssitzung dieser Wahlperiode wurde auf Vorschlag von Yasemin Sönmez (Die Linke) ein zweiter stellvertretender Ortsvorsteher gewählt. Die Stadt Kassel sieht hier einen möglichen Verstoß gegen die Satzung der Ortsbeiräte, da die Wahl eines zweiten Stellvertreters nicht in der Einladung vermerkt gewesen sei, und hat ein Verfahren eingeleitet. Ob eine – nun ordnungsgemäße Neuwahl – der Stellvertreter stattfinden muss, ist noch offen.
  • Niederschrift bestätigt: Alles war noch nicht eingespielt bei der zweiten Freudenberg-Sitzung trotz erfolgreicher Diskussionsprinzipien. So ließ Schriftführerin Annika Kuhlmann im letzten Tagesordnungspunkt, und nicht im ersten, die Niederschrift der ersten Sitzung bestätigen. Wenn’s nur das ist!

Die 3. Sitzung des Ortsbeirats Wehlheiden findet am Donnerstag, 18. Juni 2026, ab 19 Uhr in der Jägerkaserne statt.

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