Zebrastreifen und Sackgasse: Verkehrsthemen bestimmen Wehlheider Ortsbeirat

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Einfahrt verboten: Trotzdem sichten Anwohner immer wieder Autos, die mit hohem Tempo entgegen der Einbahnstraße fahren. (Foto: Paul Bröker)

Verkehrsthemen sind der Dauerbrenner im Stadtteil: Der Ortsbeirat Wehlheiden ging auch bei seiner jüngsten Sitzung den Beschwerden von Anwohnern nach.

Einleitung

Kassel – Bei seiner sechsten Sitzung am Donnerstag, 22. Oktober 2026, in der Kindertagesstätte Himmelsstürmer, Wehlheider Straße 8, 34121 Kassel, beschäftigte sich der Ortsbeirat Wehlheiden abermals ausgiebig mit Verkehrsthemen. Zunächst stand jedoch die Wahl des zweiten stellvertretenden Ortsvorstehers auf der Tagesordnung.

Neu im Kreise des an diesem Tag mit 13 Mitgliedern vollzähligen Ortsbeirats wurde Sophie Blum (Die Linke) aufgenommen. Sie ist die Nachrückerin für Nicolo Mazzola (Die Linke), der in einen anderen Stadtteil gezogen ist.

Bürgerfragen gab es diesmal keine. Das Protokoll wurde genehmigt und die Beschlussfähigkeit des Gremiums anerkannt.

TOP 1: Wahl einer 2. stellvertretenden Ortsvorsteherin bzw. eines 2. stellvertretenden Ortsvorstehers

Bei der nun endgültigen Wahl des zweiten stellvertretenden Ortsvorstehers setzte sich Jan Hörmann (CDU) mit sieben zu fünf Stimmen, bei einer Enthaltung, gegen Ylva von Löhneysen (parteilos auf der Liste der Linken) durch.

Die Wahl des zweiten Stellvertreters hatte sich zwischenzeitlich zu einem Politikum im Stadtteilgremium entwickelt. Bei der Sitzung vom Donnerstag, 20. August 2026, war sogar Oberbürgermeister Sven Schoeller (Grüne) in den Ortsbeirat gekommen, um den Verfahrensfehler zu erklären, der die Wahl von Hörmann im ersten Wahlversuch ungültig gemacht hatte. Anstoß nahm der Magistrat daran, dass auf der Einladung zur ersten Sitzung die Wahl des zweiten Stellvertreters nicht fristgerecht angekündigt worden war. Yasemin Sönmez (Die Linke) hatte während der ersten Sitzung aus Gründen der Repräsentanz die Wahl eines zweiten Stellvertreters vorgeschlagen.

Da dem Stadtteilgremium acht Frauen und fünf Männer angehören, sagte Ylva von Löhneysen (parteilos/Die Linke), dass sie es unpassend finden würde, dass zwei Männer in einer Leitungsfunktion des Stadtteilgremiums seien. Deshalb schlug sie als Kandidatin Ramona Degenhardt (CDU) vor. Die Parteifreundin von Jan Hörmann lehnte aber ab. Wenn keine andere Frau gegen Hörmann kandidiere, dann mache sie das selbst, so von Löhneysen. Letztlich setzte sich dann aber doch der Mann durch.

TOP 2: Bericht Kita Himmelsstürmer „Rassismuskritische Kinderwelten“ und Viva Familienzentrum

Der Ortsbeirat gastierte diesmal in der Kita Himmelsstürmer. Das Leitungsteam präsentierte das lokale Bündnis „Rassismuskritische Kinderwelten“. Beim Deutschen Kitapreis 2025 befand sich das Bündnis in der Auswahl und erhielt eine Anerkennung.

Nach einem Vorfall von Rassismus in der Kita habe man nicht weggesehen, sondern das eigene Arbeiten hinterfragt. Pädagogisches Material wurde neu bewertet: Was sind eigentlich „Hautfarben“? Warum sind Puppen in den meisten Fällen immer noch „weiß“? In Schulungen wurden die Pädagog*innen unterrichtet, Vorurteile abzubauen.

Die Elterninitiative emPowerKidS fungiert als Träger des Bündnisses. Zusammen will das Bündnis einen geschützten Raum (Safe Space) für die Kinder schaffen. Die Eltern sind in den meisten Fällen weiß und Schwarz. Den Kindern werden Vorbilder mit ihrer eigenen Hautfarbe gezeigt: Schwarze Feuerwehrmänner, Lehrer, Ärzte usw. Allein die Bildauswahl verändere die Wahrnehmung, was man im Leben erreichen könne, so die Organisator*innen. Auf dem Programm stehen auch Ausflüge in andere Städte.

Die Kita bietet dem Bündnis Räume. So wird aus der Kita ein Begegnungsort für den Sozialort Wehlheiden. Dank dem Bündnis können so Infrastruktur, Sichtbarkeit, Finanzierung und Impulse untereinander ausgetauscht und bereitgestellt werden.

Dabei gehe es nicht darum, Schwarze (PoC) bzw. diasporische Menschen in die Gesellschaft zu integrieren, sondern darum, Vielfalt anzuerkennen. Die Menschen seien schließlich vollständig Teil der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass sich weiße Menschen zugestehen, rassistisch sein zu können, auch wenn sie dies gar nicht beabsichtigen.

Das Bündnis fragte beim Ortsbeirat Dispositionsmittel für die eigene Arbeit an. Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) zeigte die Bereitschaft, das Bündnis zu unterstützen, sobald das Budget dies wieder zulässt. Für 2026 seien die Mittel bereits derart erschöpft, dass eine Förderung als Zeichen von Geringschätzung gewertet werden könne. Im kommenden Jahr werde man das Bündnis jedoch auf dem Zettel haben.

TOP 3: Einrichtung einer baulichen Sperrung im Einmündungsbereich
Kohlenstraße/Kochstraße

Bereits um 18.30 Uhr hatte sich eine Gruppe von Mitgliedern des Ortsbeirats an der Ecke Kochstraße/Wehlheider Straße versammelt. 

Zum Hintergrund: Ein Anwohner hatte den Ortsbeirat informiert, dass wiederholt Verkehrsteilnehmer von der Kohlenstraße – vorschriftswidrig – in die als Einbahnstraße ausgeschilderte Kochstraße einfahren. Zum Teil würden die Autos so schnell durch die enge Straße fahren, dass er Angst um die dort wohnenden Familien mit Kindern habe, so der Anwohner. Gerade in der Rushhour werde die Straße des Öfteren als Abkürzung zwischen Kohlenstraße und Schönfelder Straße genutzt. Ein Unfall sei bislang nicht passiert – aber wie lang bleibt es dabei?

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Der Ortsbeirat macht sich ein Bild: Mitglieder und Gäste in der Kochstraße. (Foto: Paul Bröker)

Der Wunsch: die Kochstraße als Sackgasse einrichten. Schließlich habe es während der Baustelle und der Kirmes im Sommer prima geklappt. Auch das Wenden habe in seinen Augen kein Problem bereitet, so der Anwohner.

Jan Hörmann (CDU) wandte ein: Die Kochstraße sei viel zu eng, um eine Sackgasse einzurichten. Ein Wendekreis mit der vorgeschriebenen Breite lasse sich hier nicht einrichten, gab auch Ex-Ortsbeiratsmitglied Klaus Hansmann zu bedenken.

Während der Sitzung einigten sich die Mitglieder, die Verkehrsthemen in der dafür vorgesehenen Verkehrs-AG zu behandeln, die sich aus Termingründen bislang erst einmal zusammengefunden hat. Für die Kochstraße beschlossen sie, die Stadt mit Tempokontrollen und Verkehrszählungen zu beauftragen, um die Häufigkeit von Verstößen beurteilen zu können.

TOP 4: Einrichtung von Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) auf der Kohlenstraße (Höhe Lidl) und der Schönfelder Straße (Höhe Wehlheider Straße)

Die Grünen hatten am Dienstag, 22. September 2026, mit Erlaubnis des Ordnungsamtes temporäre Zebrastreifen, im Amtsdeusch auch Fußgängerüberwege genannt, an zwei Stellen im Stadtteil ausgerollt: Beim Lidl an der Kohlenstraße sowie an der Schönfelder Straße, Höhe Wehlheider Straße. Ihr Ziel: sichere Querungsmöglichkeiten.

Für die Stelle am Lidl beschloss der Ortsbeirat, dass erneut eine Verkehrszählung vorgenommen werden soll.

Für die Stelle an der Schönfelder Straße beschlossen die Mitglieder, die Stadt prüfen zu lassen, dort einen Fußgängerüberweg einrichten zu lassen. Yasemin Sönmez (Die Linke), die selbst als Anwohnerin unter dem Verkehrsaufkommen an der Schönfelder Straße leidet, sagte, dass es einer allgemeinen Verkehrsberuhigung bedürfe.

Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) verwies auf den Besuch von Stadtbaurätin Simone Fedderke (Grüne) in der kommenden Ortsbeiratssitzung am Donnerstag, 19. November 2026, in der diese zur Verkehrsberuhigung im gesamten alten Ortskern Stellung nehmen wolle. Auch Andreas Nitsch (SPD) bekräftigte, dass der ganze Abschnitt der Schönfelder Straße von Wilhelmshöher Allee bis Sternbergstraße beruhigt werden müsse.

TOP 5: Altkleidercontainer Ecke Friedenstraße/Hentzestraße

Eigentlich wollte der Ortsbeirat nach einer Bürgerbeschwerde auch diesen Tagesordnungspunkt verhandelt. An der Ecke Friedensstraße / Hentzestraße quillt der Altkleidercontainer der Städtischen Werke regelmäßig über. Oft wird auch sonstiger Abfall und Sperrmüll dazugestellt.

Laut Madlen Freudenberg (Grüne) soll in der Sitzung vom Donnerstag, 17. Dezember 2026, ein Vertreter der Stadtreiniger hierzu Rede und Antwort stehen.

TOP 6: Mitteilungen

Ende September wurde der Erweiterungsbau des Fröbelseminars eingeweiht.

Nach Beschwerden wurden in der Bosestraße Halteverbotszonen eingerichtet.

Das Quartiersbüro in der Gräfestraße hat seine Türen geschlossen.

Carina Schmidt ist die neue zuständige Mitarbeiterin für den Stadtteil Wehlheiden bei der Straßenverkehrsbehörde. Sie folgt auf Johanna Wiens.

Die nächste Ortsbeiratssitzung findet am Donnerstag, 19. November 2026, erst ab 19.30 Uhr in den Bürgerräumen Wehlheiden statt. Stadtbaurätin Simone Fedderke (Grüne) kann an diesem Tag erst ab 20 Uhr zum Ortsbeirat kommen.

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