
Wann greift die Stadt endlich durch? Das fragen sich Anwohner an der Hentzestraße schon lange. Die Spielstraße vor ihrer Haustür gleicht einer Rennstrecke. Kinder können dort nicht gefahrlos spielen. Dem Ortsbeirat ist die Situation ein Dorn im Auge. Doch kann er die Stadt zum Handeln bewegen?
Einleitung
Kassel – Die fünfte Sitzung des Ortsbeirats Wehlheiden lockte am Donnerstag, 17. September 2026, ab 19 Uhr nur eine Hand voll Gäste in die Bürgerräume Wehlheiden. Die Vermutung, dass der geringe Zuspruch am Zustand der Bürgerräume gelegen haben könnte, ist zwar abwegig. Dennoch wies Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) darauf hin, dass es aufgrund einer Beschädigung von der Decke tropfen könne.
Auch die Reihen des Ortsbeirats waren nicht voll besetzt: So ließen sich Andreas Nitsch und Sabine Nödler (beide SPD) urlaubsbedingt entschuldigen. Nicolo Mazzola (Die Linke) wiederum fehlte, weil er aufgrund seines Umzugs in einen anderen Stadtteil ab sofort nicht mehr im Wehlheider Ortsbeirat sitzen darf. Für ihn rückt ab der nächsten Sitzung Sophie Blum (Die Linke) nach.
Auch diesmal klebte handbeschriebenes Flipchart-Papier an der Wand. Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) erinnerte damit noch einmal an die Diskussionsprinzipien, die sie bei der zweiten Sitzung des Ortsbeirats eingeführt hatte.
Anschließend beschloss der Ortsbeirat einstimmig das Protokoll der Sitzung vom Donnerstag, 20. August 2026, und stellte die Beschlussfähigkeit fest. Außerdem ergänzte Freudenberg die Tagesordnung um einen weiteren Punkt, der kurzfristig von der Stadt Kassel an den Ortsbeirat herangetragen wurde: die Neubenennung einer Grünanlage im Stadtteil.
Bürgerfragestunde
Vor dem Einstieg in die Tagesordnung bot sich Ortsbeiratsmitgliedern und Gästen die Möglichkeit, Fragen an die Stadt zu stellen.
- Eine Anwohnerin fragte: Sind weitere Sitzbänke Am Heimbach geplant? Und: Sind bereits Standorte bekannt? Ortsvorsteherin Freudenberg verwies darauf, dass in der kommenden Ortsbeiratssitzung ein Vertreter des Umwelt- und Gartenamts geladen sei, um zum Sitzbänke-Konzept der Stadt Kassel vorzutragen. Dem Ortsbeirat seien keine neuen Bank-Standorte bekannt.
- Der Autor wies auf eine gefährliche Stelle an der Ecke Kohlenstraße/Kirchweg hin. Dort beeinträchtigen Glas- und Papiercontainer die freie Sicht auf den Einmündungsbereich, wodurch die Gefahr von Unfällen auch mit Fußgänger- und Radfahrerbeteiligung steigt. Plant die Stadt, diese Gefahrenstelle zu entschärfen? Und: Wird bei Aufstellung von Müllcontainern deren Standort im Nachhinein evaluiert?
TOP 1: Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung Hentzestraße
Die Hentzestraße in Alt Wehlheiden ist ein Dauerbrenner im Ortsbeirat. Bereits in der Sitzung vom Donnerstag, 3. Juli 2025, schlug die SPD-Fraktion eine Sackgassen-Lösung vor. Da sich an der Situation jedoch seitdem nichts gebessert hat, war die Hentzestraße nun erneut Thema.
Zum Hintergrund: Anlieger der Hentzestraße haben ihre Beschwerden schon des Öfteren an den Ortsbeirat herangetragen. Ihr Problem: Die Hentzestraße ist zwischen Wittrockstraße und Friedenstraße als „verkehrsberuhigter Bereich“ gekennzeichnet, umgangssprachlich auch als „Spielstraße“ bekannt.
Dort darf gemäß Straßenverkehrsordnung nur Schritt gefahren werden: maximal 7 km/h. Bloß hält sich kaum ein Verkehrsteilnehmer daran. Immer wieder kontrolliert die Stadt Kassel an dieser Stelle. Zuletzt ging dem Ortsbeirat die Tempomessung vom 1. Juli 2026 als Protokoll zu. Von 32 kontrollierten Verkehrsteilnehmern überschritten 26 die zugelassene Höchstgeschwindigkeit. Kurzum: Kinder können dort nicht gefahrlos auf der Straße spielen.
Zu Stoßzeiten beobachten Anwohner, dass Autofahrer die Hentzestraße/Friedenstraße als Abkürzung nehmen, um die Ampelphasen auf der Wittrockstraße/Kohlenstraße zu umgehen. Die Abkürzung verläuft dann über Kirchweg-Friedenstraße-Hentzestraße zur Wittrockstraße bzw. umgekehrt.
Nicht nur für Kinder, die auf der Straße spielen, ergeben sich hierdurch Gefahren. Das Sicherheitsgefühl ist auch für die übrigen Passanten beeinträchtigt. Die Gestaltung der Straße – Asphalt für eine angedeutete Fahrbahn und Pflastersteine für den Gehweg, dazwischen die Abwasser-Rinne – legt eine reguläre 30er-Zone nahe. Doch der Gehweg ist durch keine Erhöhung geschützt. Gerade für unerfahrene Verkehrsteilnehmer stellt dies ein Problem dar. Schließlich ist die Hentzestraße Teil des Schulwegenetzes zur Hupfeldschule, aber auch ein beliebter Weg zur Nahversorgung, da mehrere Supermärkte und Geschäfte darüber erreicht werden können.
Im Zuge der Bauarbeiten an der Kohlenstraße hat sich ein weiteres Problem ergeben, das bis heute anhält: So werden regelmäßig die Poller an der Diagonalsperre aus ihrer Verankerung gezogen, wodurch die regelwidrige Durchfahrt zwischen Hentzestraße und Friedenstraße möglich wird.
Der Ortsbeirat hat sich in der Vergangenheit schon häufiger mit der gefährlichen Straßenraumgestaltung an der Hentzestraße beschäftigt.
So wurden zusätzliche Piktogramme auf der Fahrbahn und eine zusätzliche Beschilderung vorgeschlagen. Der Amtsleiter des Straßenverkehrs‐ und Tiefbauamt, Dr. Georg Förster, lehnt dies hingegen ab. Seine Begründung: Dort stehen bereits Verkehrstafeln, also Schilder, die die verkehrsrechtliche Lage eindeutig ausweisen.

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Wehlheider Ortsbeirat schlug Straßenmobiliar als Lösung vor. Hierdurch soll die Fahrbahn verengt und somit das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit verhindert werden.
Die SPD-Fraktion befürwortete die Einrichtung von zwei Sackgassen an dem Punkt, wo sich Hentze und Friedenstraße kreuzen. Die Durchfahrt wäre somit blockiert. Anwohner könnten nur noch zu ihren Häusern gelangen, aber nicht weiter in Richtung Friedenstraße kommen. Laut Andreas Nitsch (SPD) war es die ursprüngliche Idee der AG Verkehr des Ortsbeirats, hierzu die bestehenden Poller auf der Kreuzung Friedenstraße/Hentzestraße so zu versetzen, dass die Hentzestraße zur Sackgasse würde. Diese Idee wurde in der Ortsbeiratssitzung vom Donnerstag, 3. Juli 2025, vorgestellt.
Dr. Georg Förster, der in der Sitzung anwesend war, sah dies demnach als Möglichkeit an, gab aber zu bedenken, dass Müllautos an den beiden Enden der entstehenden Sackgassen nicht wenden könnten und diese daher umständlich im Rückwärtsgang wieder verlassen müssten. In der Ortsbeiratssitzung wurde daraufhin diskutiert, die Sackgassen so einzurichten, dass die Müllarbeiter sie auf ihren Touren ohne Schwierigkeiten passieren können. Der Ortsbeirat brachte hier Durchfahrtssperren ins Spiel, wie man sie zur Absperrung von Parkplätzen kennt.
Das Straßenverkehrs‐ und Tiefbauamt prüfte daraufhin den Vorschlag des Ortsbeirats. Am 27. Oktober 2025 ging dem Ortsbeirat das Ergebnis dieser Prüfung zu. Darin wies Dr. Georg Förster das Anliegen des Ortsbeirats ab:
„Die Beschilderung oder bauliche Herstellung der Hentzestraße als Sackgasse in Höhe der Friedenstraße führt dazu, dass die Friedenstraße durchgehend befahrbar wird. Dies würde automatisch mehr Verkehr in der Friedenstraße erzeugen. Es gäbe somit keine Reduzierung des Verkehrsaufkommens im Quartier, sondern lediglich eine Verlagerung.
Eine Öffnung der Sackgasse bzw. Diagonalsperre für große Fahrzeuge – wie vorgeschlagen – ist technisch nicht umzusetzen. Sobald die Öffnung groß genug für Müllfahrzeuge o. Ä. ist, werden auch PKW die Sperre passieren. Durch Beschilderung lässt sich dieses Problem auch nicht lösen. Es müssten demnach am Ende der Sackgasse / vor der Sperre Wendemöglichkeiten eingerichtet werden, damit insbesondere größere Fahrzeuge hier nicht zum gefährlichen Rückwärtsfahren ansetzen müssen. Hierdurch ginge wichtiger Parkraum in dem ohnehin sehr dicht beparkten Gebiet verloren.
Eine Änderung der Verkehrsführung in der Hentzestraße bzw. am Knoten Hentzestraße / Friedenstraße ist aus den genannten Gründen derzeit nicht vorgesehen.“
In der jüngsten Sitzung wurden somit zunächst zwei Vorschläge diskutiert: Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg hatte einen Beschluss mitgebracht, der vorsah, Stadtmobiliar in der Hentzestraße zu installieren. Dies befürworteten auch Katja Seppi-Krey (Grüne) und Sandra Mijatovic (Grüne).
Der ehemalige Ortsvorsteher Stephan Amtsberg (Grüne) dagegen plädierte dafür, am bisherigen Sackgassen-Vorschlag festzuhalten. Die vorhandene Diagonalsperre habe nicht zu weniger Verkehr geführt. Zudem würden die Poller seit einer Weile häufig entfernt.

Jan Hörmann (CDU) schloss sich der Sackgassen-Lösung an. In Richtung Sandra Mijatovic (Grüne) sagte er voraus: „Die Lösung mit dem Mobiliar wird nicht kommen.“ Das Straßenverkehrsamt werde sich nicht darauf einlassen. Außerdem kostet laut Hörmann ein solches Mobiliar Hunderttausende Euro. Mijatovic entgegnete, dass eine Sackkassen-Lösung auch nicht günstig zu haben wäre.
Yasemin Sönmez (Die Linke) brachte andere Vorschläge ins Spiel: So fragte sie, warum sogenannte „Berliner Kissen“ noch nicht geprüft wurden. Außerdem könnten elektronische Tempodisplays bewirken, dass Autofahrer ihre Geschwindigkeit verringern. Im Übrigen sei es unabdingbar, die Anwohner mit einzubeziehen. Eine Sackgassen-Lösung sei etwa ein starker Einschnitt, den manche als Bestrafung empfinden könnten.
Sandra Mijatovic (Grüne) entgegnete, dass die Berliner Kissen in Kassel nicht zur Verwendung kämen. Sie seien teuer in der Instandhaltung und die Anwohner würden mit zusätzlichem Lärm belästigt, wenn Autos darüber fahren. Als selbst betroffene Anwohnerin sei ihr hingegen die vorgeschlagene Mobiliar-Lösung ein besonderes Anliegen: „Machen wir das!“, appellierte sie in die Runde des Ortsbeirats.
Letztlich stimmte der Ortsbeirat getrennt über drei Vorschläge ab:
Mit sieben Stimmen dafür und drei dagegen (aus dem Lager der weiblichen Grünen-Mitglieder) stimmte der Ortsbeirat dafür, an der Sackgassen-Lösung festzuhalten.
Ebenfalls mit sieben Stimmen und drei dagegen stimmte der Ortsbeirat für die Mobiliar-Lösung.
Die Tempodisplays wurden mehrheitlich abgelehnt. Aufgrund einer Unaufmerksamkeit hat der Autor die genaue Stimmabgabe nicht mitverfolgt. Sobald das offizielle Protokoll vorliegt, wird es an dieser Stelle nachgetragen.
TOP 2: Einsetzen der Dispositionsmittel für die Unterhaltung von Straßen, Wegen und Plätzen für das Jahr 2026
Für die Unterhaltung von Straßen, Wegen und Plätzen stehen dem Ortsbeirat für das Jahr 2026 noch 33.941,42 Euro an Dispositionsmitteln zur Verfügung.
Der Ortsbeirat identifizierte besonders sanierungsbedürftige Straßen, denen er bevorzugt Mittel angedeihen lassen will:
- 25.000 Euro sollen für die Installation von Beleuchtung an der Wehlheider Straße verwendet werden.
- 2000 Euro sollen für Markierung und den Verkehrsspiegel an der Radwege-Kreuzung Friedenstraße/Wehlheider Staße ausgegeben werden.
- 3000 Euro für den Bürgersteig an der Heinrich-Heine-Straße.
- 3000 Euro für den Bürgersteig an der Kantstraße.
- 500 Euro für die Deckensanierung an der Windmühlenstraße.
- 500 Euro für die Sanierung der klappernden Pflastersteine in der Gräfestraße.
Einstimmig beschloss der Ortsbeirat diese Priorisierung.
TOP 3: Wahl einer Kinder- und Jugendbeauftragen bzw. eines Kinder- und Jugendbeauftragten
Bislang hatte Dr. Marianne Hornung-Grove (Grüne) das Amt der Kinder- und Jugendbeauftragten von Wehlheiden inne. Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) betonte, dass mit dem Amt keine Pflichten verbunden seien. Es diene dazu, Ansprechpartner zu sein für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil.
Zu Wahl stellten sich:
- Yasemin Sönmez (Linke), die als pädagogische Fachkraft in einer Kita arbeitet.
- Katja Seppi-Krey (Grüne), die als Sonderschullehrerin arbeitet.
Per Handabstimmung wurde Katja Seppi-Krey mit acht Stimmen zur neuen Kinder- und Jugendbeauftragen gewählt.
Im Zuge der Wahl erinnerte Sandra Mijatovic (Grüne) daran, dass sie während der letzten Legislaturperiode zur Stadtteilbeauftragten für Geflüchtete gewählt wurde. Zu Beginn des Kriegs in der Ukraine habe sie das Hilfsnetzwerk im Stadtteil mit aufgebaut. Sie stehe im Austausch mit der Geflüchtetenunterkunft in der Jägerkaserne, sagte Mijatovic.
Da Mijatovic zu Beginn der neuen Legislatur nicht im Amt bestätigt wurde, schlug Jan Hörmann (CDU) vor, sie erneut zu wählen. Einstimmig folgte der Ortsbeirat diesem Vorschlag. Da es sich um kein offizielles Amt nach Hessischer Gemeindeordnung handelt, war auch von Schriftführerin Annika Kuhlmann (Stadt Kassel) kein Einspruch gegen diese Wahl zu vernehmen.
Sandra Mijatovic (Grüne) wurde per Handabstimmung einstimmig im Amt bestätigt.
TOP 4: Neubenennung einer Grünanlage
Die Grünanlage gegenüber dem Bundessozialgericht auf der Wehlheider Seite der Wilhelmshöher Allee bekommt einen Namen. Sie soll Anna-Zinke-Anlage heißen. Dies hatte der Ortsbeirat angeregt und die Stadt Kassel forderte lediglich einen Beschluss in dieser Sache.
Mit der Benennung soll das Wirken von Anna Zinke (1892–1958) als Stadtverordnete und Mitglied der Verfassungsberatenden Versammlung Groß-Hessen gewürdigt werden, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Für Ylva von Löhneysen (parteilos/Die Linke) erschloss sich jedoch nicht, wieso nicht auch die gegenüberliegende Grünfläche bei der Heinrich-Schütz-Schule denselben Namen trägt.
Mario Lang (SPD), Stadtteilbeauftragter aus dem Vorderen Westen, erklärte, dass der Ortsbeirat Vorderer Westen tatsächlich dafür gestimmt habe, der Fläche denselben Namen zu geben. Jedoch habe das Amt für Geoinformation Einspruch dagegen erhoben, beide Grünflächen gleich zu benennen, wie Norbert Sprafke, ehemaliger SPD-Ortsvorsteher, der als Gast zugegen war, erläuterte. Eine Doppel-Benennung von Orten sei nämlich nicht zulässig.
Die Fläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite soll nun den Namen von Malwida von Meysenbug (1816–103) tragen, einer Schriftstellerin.
Mit neun Stimmen bei einer Enthaltung (Yasemin Sönmez (Die Linke)) stimmte der Ortsbeirat für die Neubenennung.
Mitteilungen
Die Gedenktafel auf dem Wehlheider Friedhof steht. Bei einer Veranstaltung am Freitag, 4. September 2026, wurde sie feierlich eingeweiht.
Sandra Mijatovic (Grüne) ermutigte die Ortsbeiratsmitglieder, sich am World Cleanup Day zu beteiligen. Der Verein „Wir machen das jetzt einfach“ sammelt dabei am Sonntag, 20. September 2026, die Becher von der Laufstrecke des Kassel Marathon für ein Recyclingprojekt.
Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) kündigte eine Aktion der Grünen in Wehlheiden an. Am Dienstag, 22. September, rollen die Mitglieder einen mobilen Zebrastreifen beim Lidl an der Kohlenstraße aus.
Die nächste Sitzung des Ortsbeirats Wehlheiden findet am Donnerstag, 22. Oktober 2026, ab 19 Uhr statt, voraussichtlich in der Kita Himmelsstürmer, Wehlheider Straße 8, 34121 Kassel. Themen werden unter anderem das Sitzbänke-Konzept der Stadt Kassel sowie die Machbarkeitsstudie für die Neugestaltung des Wehlheider Platzes sein. Auch die – dann regelkonforme – Wahl des zweiten Stellvertreters steht auf dem Programm.
