
Die Kasseler Radwoche soll keine Eintagsfliege bleiben. Von Donnerstag, 3. April, bis Sonntag, 6. April 2025, ist daher die zweite Ausgabe geplant. Zur Vorbereitung hat es jetzt ein Treffen im UniLokal gegeben.
Kassel – Zum Jahresauftakt der Radwochen-Planung am Montag, 27. Januar 2025, ab 17 Uhr im UniLokal / SDG+Lab der Universität Kassel in der Wilhelmsstraße 21, waren ausdrücklich auch interessierte Gäste geladen. „Neben dem gemütlichen Beisammensein wollen wir wieder mit Euch in den Austausch kommen, um gemeinsam die kommende Radwoche zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen“, hieß es in der Ankündigung von Cycassel. Man freue sich über jede Unterstützung und jedes Feedback – ob von langjährigen Radfans oder Neulingen.
Mehrheitlich waren dennoch Studierende der Universität Kassel ins UniLokal gekommen. Kein Wunder: Cycassel ist nach eigenen Angaben aus einem interdisziplinären Seminar des Instituts für Sport und Sportwissenschaft, des Instituts für Verkehrswesen in Form der Arbeitsgruppe „Radverkehr und Nahmobilität“ sowie des Kernstudiums („Didaktik der politischen Bildung“ & „Bildung für nachhaltige Entwicklung“) gewachsen.
Manche der Studierenden, die am Montagabend da waren, sind beispielsweise im Fach Nachhaltige Mobiltät eingeschrieben, andere in Sport als Lehramtsfach. Im Modul „Kassel fährt Rad“ können sie Credits für ihren Abschluss sammeln, es handelt sich um ein Wahlpflichtmodul. Die Präsenz war also nicht ganz freiwillig, aber missmutige Gesichter waren keine auszumachen.
Gesucht: ein vorläufiges Programm
Stattdessen präsentierten die Studierenden selbstbewusst die Ergebnisse ihrer Gruppen, in denen sie sich bereits bei einem früheren Termin zusammengefunden hatten. Das Ziel: ein vorläufiges Programm für die Kasseler Radwoche zusammenstellen. Außerdem sollte es die Gelegenheit geben, an den Konzepten zu feilen und Rückmeldungen anderer Teilnehmer einzuholen. Auch für die Vermittlung von Sponsoren und Kontakten sollte die Veranstaltung genutzt werden.
Neben altbekannten Projekten stellten sich auch neue vor. Sollte bloße Selbstwirksamkeit als Anreiz nicht ausreichen, lockte die leitende Uni-Dozentin Dr. Julia Limmeroth mit der Aussicht auf mehrere angesehene Auszeichnungen, die auf die Teilnehmer warten könnten, wenn die zweite Ausgabe der Kasseler Radwoche abermals zu einem Erfolg wird. Darunter der Klimaschutzpreis der Stadt Kassel und der Hessische Hochschulpreis.
Dann stellten sich die Projekte im Schnelldurchlauf vor:
- „Bikesafe“ möchte sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder im Stadtgebiet schaffen. Dazu arbeite man mit dem Green Office und der Polizei in Kassel zusammen, so die Organisatoren. Auch das Thema Prävention solle nicht zu kurz kommen.
- Die Gruppe „Pimp my bike“ plant Workshops für Schrauber, bei denen diese ihre Räder flottmachen können. Eventuell wolle man Kinder und Jugendliche in das Projekt einbeziehen, hieß es. Wichtig ist den Organisatoren, die Selbsthilfewerkstätten in Kassel stärker zu vernetzen.
- Bei der „Genussroute“ soll es darum gehen, eine innerstädtische Route anzubieten, die gastronomische Angebote, wie Cafés und Restaurants, für Radfahrer attraktiver macht. Ein Teilnehmer nannte gratis Leitungswasser als Beispiel. Auch eine Schnitzeljagd mit einer Stempelkarte, bei der Preise locken, könne man sich vorstellen.
- Die Gruppe „Inklusion und Radfahren im Alter“ möchte Radtouren mit Senioren anbieten. Dazu seien bereits Kontakte mit „Treffpunkt Bewegung“ sowie der ACT Kassel geknüpft worden, hieß es. Das Projekt „Rikscha-Touren“ docke hier nahtlos an.
- Bei der „Radnacht“ ist am Freitag, 4. April 2025, eine gemeinsame Ausfahrt geplant mit einer anschließenden Zusammenkunft mit Getränken. Beim zur Projektgruppe gehörenden „Markt der Möglichkeiten“ soll es neben einer Tombola unter anderem einen Verkauf von gefundenen Fahrrädern geben. Dazu soll ein Kontakt zum Ordnungsamt hergestellt werden.
- Beim „Bicibus“ soll das im vergangenen Jahr erfolgreich gestartete Projekt weitergeführt werden, unter anderem an der Offenen Schule Waldau (OSW). Es gelte, Aufsichtspersonen zu finden und Werbung bei möglichen Teilnehmern zu machen.
- Unter dem Arbeitstitel „Pedal quest – Cycle quest“ hat sich eine Gruppe zusammengeschlossen, die eine Schnitzeljagd durch Kassel mit stationären Punkten plant. Der Rätselspaß steht laut den Initiatoren an erster Stelle. Es gelte jedoch, Sponsoren zu finden und die möglichen Standorte abzuklären.
- Die Teilnehmerinnen von „Flinta* sicher auf dem Rad“ wollen einen Social Ride veranstalten für Flinta*-Personen. Es gebe bereits eine Kooperation mit der Community Flinta CC. Ziel des Social Ride: Vernetzung und Empowerment.
- Beim „Crashkurs StVO“ soll Radfahrern nahegebracht werden, welche Regeln sie im Straßenverkehr einhalten müssen. Dies soll voraussichtlich in Form eines Workshops geschehen. Auch eine Kooperation mit dem Stadtteilzentrum Agathof in Bettenhausen sei möglich.
- Das „Rikscha-Projekt“ stammt nicht aus den Reihen der Studierenden. Stattdessen hat die ACT Kassel dafür die Schirmherrschaft übernommen. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität soll ein Freizeitangebot geschaffen werden, bei dem sie mit einer Rikscha durch Kassel gefahren werden können.
- Die „Radanalyse“ hat es sich als Ziel gesetzt, eine Bewegungsanalyse für Radfahrer anzubieten. Hierfür wird ein Labor der Universität Kassel genutzt. Die Maße des Fahrrads der Teilnehmer werden dabei auf ein Ergometer übertragen und die Bewegung der Teilnehmer wird anschließend mit Infrarot-Kameras aufgezeichnet und analysiert.
- Bei „Green Cycling“ geht es darum, Radfahren unter Schülern sexy zu machen, wie die Gruppe erklärte. Die Gruppe besteht aus Lehramtsstudierenden und möchte eine Radtour mit Schülern des Goethe-Gymnasiums in Kassel unternehmen. Dabei will die Gruppe den Schülern die Vorzüge des Radfahrens aufzeigen: eine umweltschonende Fortbewegungsmethode und Vorteile für die eigene Gesundheit.
- Auch bei der zweiten Auflage der Kasseler Radwoche wird der „Bergsprint“ von der Zweiradgemeinschaft Kassel ausgerichtet. Dabei handelt es sich um ein Zeitfahren, bei dem die Teilnehmer die Zufahrt zum Galeria-Parkdeck in der Neuen Fahrt in der Kasseler Innenstadt erklimmen müssen. Es findet am Sonntag, 6. April 2025, statt.
- Dafür, dass die zweite Kasseler Radwoche auch in der Öffentlichkeit groß herauskommt, will die Gruppe „Kassel viradelt“ sorgen. „Wir wollen der Radwoche ein Gesicht geben“, sagten die Teilnehmer. Dazu sind Reels auf Instagram, eine Crowdfunding-Aktion sowie ein Image-Video geplant. Gesucht seien innovative Ideen, mit denen sich die Bekanntheit der Radwoche steigern lässt.
- Als „Overnighter“ stellte eine Gruppe ihre geplante Bikepacking-Tour im Rahmen der Radwoche vor. Man könne sich darunter ein Micro-Abenteuer vorstellen, hieß es. Mit abendlichem Zusammensein am Lagerfeuer und einer Übernachtung im Zelt. Damit jeder daran teilnehmen kann, wolle man den Einstieg ins Bikepacking vereinfachen. Schließlich habe nicht jeder ein geeignetes Rad, die richtigen Packtaschen und ein Zelt.
- Bei „Psycle 533“ soll es um den Zusammenhang zwischen Radfahren und psychischer Gesundheit gehen. So ist eine Radtour in Kombination mit einer Psychoedukation geplant. Die Ziffer 533 verweist auf die Nummer, die die Stadt Kassel dem Sozialpsychiatrischen Dienst zugewiesen hat.
- Beim neuen Projekt „Gruppenausfahrten“ wollen die Organisatoren bestehende Treffs von Interessierten koordinieren und neue Angebote schaffen, die sich auch an Anfänger richten.
Für die Öffentlichkeit war der Auftakt im UniLokal eine Gelegenheit, die Planungen für die Kasseler Radwoche aus erster Hand mitzubekommen. Auf der Website cycassel.org kann der Planungsstand weiterverfolgt werden.
