
Zum Antikriegstag am Dienstag, 1. September 2026, sind in Kassel über 200 Menschen zusammengekommen, um ein Zeichen gegen Krieg und Faschismus zu setzen. Aufgerufen hatten Gewerkschaften und Friedensinitiativen.
Kassel – „Kassel darf keine Tigerstadt mehr werden!“ An diese vergessene Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg und der Nazidiktatur haben am Dienstag, 1. September 2026, Gewerkschaften, Parteien, Jugendverbände, Vereine und Initiativen anlässlich des Antikriegstags erinnert. Nach konservativer Schätzung kamen etwa 200 Menschen vors Kasseler Rathaus.
Der seit 1957 begangene Antikriegstag am 1. September erinnert an den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939. Kassel nahm in dieser Zeit aufgrund seiner Rüstungsindustrie eine unrühmliche Rolle ein. Unter anderen waren bei Henschel 1350 der genannten Tiger-Panzer gefertigt worden, die im Zweiten Weltkrieg Leid über ganz Europa brachten.
Kassel macht sich wieder zum Ziel
Aufgrund seiner Rüstungsindustrie war Kassel im Zweiten Weltkrieg ein bedeutendes Ziel von alliierten Bombern. Bei dem Angriff in der Nacht vom 22. Oktober 1943 kamen in Kassel mehr als 10.000 Menschen ums Leben. Die Stadt ist architektonisch seitdem nicht mehr wiederzuerkennen, was freilich auch am rigorosen Neuaufbau nach dem Krieg liegt.
Heute wird in Kassel trotz der mahnenden Geschichte wieder gewaltig hochgerüstet. Die Bundesregierung begründet die Milliardenschulden für die Rüstung mit der Notwendigkeit zur Verteidigung gegen den russischen Staat – im Gegensatz zu den Nazischergen, die mit den Panzern einen Angriffskrieg führten.
Erst vergangene Woche kündigten Rheinmetall und das Land Hessen eine Investition von knapp 300 Millionen Euro für den Ausbau des Panzerwerks und ein Drohnenzentrum am Kassel Airport in Calden an. Gleichzeitig sind immer mehr zivile Bereiche von Kürzungen, gerade im Sozialen, betroffen, wie Kritiker monieren.
Gegen Krieg und Faschismus
Nach Redebeiträgen auf der Rathaustreppe, unter anderem vom Friedensaktivisten und langjährigen VW‑Betriebsrat Carsten Bätzold, zog die Menschenmenge in Richtung Weinberg zum Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Fürstengarten.
Historiker Ulrich Schneider vom VVN-BdA Kassel erinnerte in dieser Kulisse an die Opfer von Krieg und Gewalt. Rolf Wekeck von den Naturfreunden Kassel trug die Biografie von Dr. Felix Blumenfeld vor, einem jüdischen Arzt der von den Nazis verfolgt wurde und 1942 in auswegloser Lage Suizid beging. Zum Abschluss wurden, in Akkordeon-Begleitung von Straßenmusiker Philipp Hoffmann, Friedenslieder angestimmt.




















