
Die Stadt Kassel feiert den neuen 155-Meter-Radstreifen auf der Kohlenstraße als „deutliche Verbesserung des Radverkehrs“. Dazu hatten Mitglieder und Gäste im Ortsbeirat Wehlheiden jedoch unterschiedliche Meinungen.
Kassel – Zur seiner dritten Sitzung der Wahlperiode ist am Donnerstag, 18. Juni 2026, der Ortsbeirat Wehlheiden zusammengekommen. Bei der Sitzung in den Jugendräumen Wehlheiden fehlte von 13 Mitgliedern nur Nicolo Mazzola (Die Linke) krankheitsbedingt.
Ortsvorsteherin Madlen Freundenberg (Grüne) begrüßte um 19 Uhr die Ortsbeiratsmitglieder und knapp zehn Gäste im Publikum, darunter die Stadtverordneten Andreas Jürgens (Grüne) und Lea Arroyo Portillo (CDU). Da das Protokoll der vergangenen Sitzung einigen Ortsbeiratsmitgliedern erst eine Stunde zuvor zugegangen war – und somit ohne Möglichkeit zur Durchsicht –, werde dieses Protokoll erst in der nächsten Sitzung beschlossen, so Freudenberg.
Zunächst gab es bei der Bürgerfragestunde Gelegenheit, Fragen an den Magistrat der Stadt Kassel zu stellen:
- Sabine Nödler (SPD): Eigentlich sollten, mit Beschluss in einer vergangenen Sitzung, mehrere Parkplätze am Wehlheider Friedhof von der Gebührenordnung ausgenommen werden. Warum wurde dies bislang nicht umgesetzt?
- Michael Maschke (Leiter Jugendräume Wehlheiden): Wäre es möglich, das „Einfahrt verboten“-Schild an der Pfeifferstraße 47a zu versetzen? Denn: Trotz Schild würden Verkehrsteilnehmer regelmäßig die Einbahnstraßenregelung missachten. Die Regelung sei vielen wohl nicht bewusst, so Maschke.
Dann ging es in die Tagesordnung:
TOP 1: Radstreifen zwischen Kirchweg und Friedenstraße
Das Straßenverkehrs‐ und Tiefbauamt plant in der Kohlenstraße zwischen Kirchweg und Friedenstraße stadtauswärts einen Radfahrstreifen. Im Zuge von Leitungsarbeiten soll zunächst der erste Abschnitt der Kohlenstraße zwischen Kirchweg und Friedenstraße neu markiert werden. Der Abschnitt hat eine Länge von 155 Metern.
Aus diesem Anlass war Anne Grimm vom Straßenverkehrs‐ und Tiefbauamt zu Gast, um die Pläne vorzustellen und sich den Fragen des Ortsbeirats zu stellen. Sie betonte, dass es sich um eine Ad-hoc-Maßnahme handelt, die erst in diesem Jahr angegangen worden sei, als bekannt wurde, dass die Städtischen Werke an der Stelle Fernwärmeleitungen verlegen.
Anders als bisher soll stadtauswärts die rechte Spur auf der Kohlenstraße ab dem Kirchweg zu einer Radspur werden, auf der auch Busse erlaubt sind – nicht andersherum, wie zum Beispiel an der Wolfhager Straße in Harleshausen, wie Grimm betonte. Hierzu sei eine Abstimmung mit der KVG erfolgt und eine verkehrsbehördliche Anordnung stehe bevor, sprich: Schilder und Streifen werden rechtsverbindlich angebracht. Den Radfahrern stünde hiermit ein vollwertiger Streifen zu Verfügung und sie müssten sich an der Friedenstraße nicht wieder links einordnen, um auf den Schutzstreifen nach der Ampel zu gelangen. Dies begreife man als Führungskontinuität.

Seitens des Ortsbeirats wurde bemängelt, dass der Knotenpunkt Wehlheider Kreuz (Tischbeinstraße–Kohlenstraße/Schönfelder Straße) mit der Maßnahme nicht angegangen werde. Dies lasse sich jedoch nicht in Kürze simulieren und wäre mit einem mehrjährigen Planungsaufwand verbunden gewesen. „Mehr geht halt einfach nicht in der Kürze der Zeit“, so Grimm. Andreas Nitsch (SPD) fragte, ob auch stadteinwärts ein Radstreifen geplant sei. Grimm erwiderte, dass derartige Veränderungen immer bei Sanierungsmaßnahmen angegangen würden. Und: Eine bauliche Trennung sei mittels einer Ad-hoc-Maßnahme nicht umsetzbar.
Sabine Nödler (SPD) kritisierte den „Flickenteppich“, der dem Gedanken eines Radverkehrs-Netzes entgegenstünde. Jan Hörmann (CDU) gratulierte Grimm dagegen zur „pragmatischen Maßnahme“, die obendrein „fast nichts koste“. Er plädierte dafür, das Thema Radverkehr im Stadtteil weiter in der Verkehrs-AG zu diskutieren. Madlen Freudenberg (Grüne) freute sich, dass die Stadt „agil“ reagiert und eine pragmatische Lösung gefunden habe. Yasemin Sönmez (Die Linke) fragte, ob nicht auch ein Verkehrsversuch (gelbe Fahrbahnmarkierungen) erwägt worden sei. Grimm antwortete, dass die Kosten hierfür deutlich höher gewesen wären.
Ein Gast, der sich im lokalen ADFC engagiert, kritisierte, dass der neue Radstreifen „singulär“ angelegt werde. „155 Meter bringen eigentlich nichts“ und stünden in einem krassen Widerspruch zur „deutlichen Verbesserung für den Radverkehr“, die das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt in seiner Darstellung feststellt. Ob es bereits Überlegungen gebe, an der Stelle in Zukunft einen zusammenhängenden baulich getrennten Radweg zu installieren? Hierzu gebe es keine Überlegungen, so Grimm.
Einstimmig nahm der Ortsbeirat den Tagesordnungspunkt zustimmend zur Kenntnis.
TOP 2: Renaturierungsprojekt Park Schönfeld durch Kassel Wasser
In diesem Punkt ging es um die naturnahe Gestaltung, also Renaturierung, des Marbachsgraben im Park Schönfeld durch den städtischen Eigenbetrieb Kassel Wasser.
Geladen waren Sarah Steude von Kassel Wasser und Philipp Dienethal vom beauftragten Planungsbüro agc-gruppe. Ziel der Maßnahme sei gewesen, das Gewässer als Biotop aufzuwerten. Bislang sei die Sole komplett mit Pflastersteinen verbaut gewesen, so Dienethal in seiner Präsentation. Diese Planung gehe noch auf die 1960er-Jahre zurück. Als Worst Case bezeichnete er den Zustand vor der Umgestaltung: ökologisch mangelhaft.
Im Zuge der Umgestaltung würden die Pflastersteine herausgelöst, um um Solesubstrat wieder eine natürliche Sole herzustellen. Außerdem soll ein möglichst langer Fließweg erreicht werden, in dem Hindernisse platziert werden, sodass das Wasser mäandert. Unter anderem sei auch eine Fischtreppe vorgesehen. Kostenpunkt: 153.000 Euro netto. Während der Bauarbeiten ist die dortige Brücke komplett gesperrt. Der Ortsbeirat forderte, die Sperrung für den Radverkehr auszuschildern.
Letztlich nahm der Ortsbeirat den Tagesordnungspunkt einstimmig zustimmend zur Kenntnis.
TOP 3: Umsetzung des Beschlusses zum Bank-Standort in der Franz-Treller-Straße vom 2. September 2021
Bereits am 2. September 2021 hatte der Wehlheider Ortsbeirat auf Vorschlag einer Bürgerin gefordert, eine Sitzbank an der Franz-Treller-Straße in der Nähe des Katharina-von-Bora-Hauses (Ev. Gemeindezentrum) zu errichten. Damals habe man jedoch vergessen – entgegen der Vorgaben –, eine Bank vorzuschlagen, die für die neue Bank wegfällt, so Ortsvorsteherin Madlen Freundenberg (Grüne).
Jan Hörmann (CDU) riet dringend davon ab, nun eine Bank zur Entfernung vorzuschlagen, ohne vorher Rücksprache mit dem Behinderten- und Seniorenbeirat zu halten. „In der Vergangenheit hat es dazu schon wilde Diskussionen gegeben“, sagte Hörmann.
Andreas Nitsch (SPD) erinnerte daran, dass es bereits bei der Sitzung am 20. Juni 2024 in einem anderen Zusammenhang Klärungsbedarf gegeben habe in Bezug auf die Sitzbänke-Regelung der Stadt Kassel. Denn: Eigentlich sei der Ortsbeirat nicht das Gremium, das beurteilen könne, welche Bank überflüssig ist und somit entfernt werden kann.
Während der Diskussion zeigte sich fraktionsübergreifend Unverständnis für die Regelung der Stadt Kassel, neue Bänke nur dann aufzustellen, wenn gleichzeitig eine bestehende entfernt wird. Madlen Freudenberg (Grüne) gab jedoch zu bedenken, dass die Aufstellung neuer Bänke konfliktbehaftet sei. Denn: Es entstünden oftmals Folgeprobleme: Lärm, Müll, unliebsames Publikum. Sie verwies auf ein neues Sitzbänke-Konzept der Stadt Kassel, das derzeit in Arbeit sei.
Letztlich beschloss der Ortsbeirat einstimmig zwei Dinge:
- Der Ortsbeirat erneuerte seinen Beschluss vom 2. September 2021 und schlug vor, die Bank mit der ID 2794 am Wehlheider Platz, von der ohnehin nur noch die Fundamente stehen, zu entfernen und dafür an der Franz-Treller-Straße eine neue Bank zu installieren. Die Dispositionsmittel seien damals bereits für diese Bank blockiert worden, sodass keine neuen Mittel erforderlich seien.
- Der Ortsbeirat forderte die Stadt Kassel auf mitzuteilen, auf welcher Grundlage neue Bänke nur aufgestellt werden dürfen, wenn zeitgleich eine bestehende abgebaut wird.
TOP 4: Dispositionsmittel
Michael Maschke, seit 1999 als Dipl.-Sozialpädagoge tätig bei den Jugendräumen Wehlheiden, berichtete zur Situation der Jugendräume. So sei für die absehbare Zeit geplant, die bestehenden Räume in der Gräfestraße 8 (Wilhelm-Lückert-Schule) weiterzunutzen. Einen Alternativstandort gebe es nicht. In der Vergangenheit sei das ehemalige Wintershall-Gebäude ins Spiel gebracht worden (heute: Technisches Rathaus), auch der ehemalige Edeka-Getränkemarkt an der Wittrockstraße sei genannt worden. Dort sei jetzt aber Wohnbebauung geplant. Maschke sagte: „Wir sind das einzige Jugendzentrum im Westen.“ Selbst aus Baunatal und Fuldabrück kämen Jugendliche nach Wehlheiden.
Bereits seit 20 Jahren bestehe außerdem die Zusammenarbeit mit der Heinrich-Schutz-Schule. Dadurch lernten die dortigen Schüler das Angebot der Jugendräume Wehlheiden kennen und schätzen. Kommerzielle Angebote wie die Fahrt zum Heidepark stießen bei Außenstehenden auf Unverständnis, seien jedoch ein wichtiges Element, um Jugendliche ohne Anknüpfungspunkte für die Jugendarbeit zu gewinnen. Auch in diesem Jahr sei in den ersten drei Ferienwochen wieder ein Programm geplant: In der ersten Woche eine Fahrt zum Edersee, dann in der zweiten die besagte Fahrt zum Heidepark und in der dritten Woche ein Ausflug zur Trampolinhalle.
Das normale Programm in den Jugendräumen bestehe eher aus niederschwelligen Angeboten, wie Kickern, Kino, Kochen und Grillen. Der Punkt Mahlzeiten sei hierbei außerordentlich wichtig, so Maschke. 80 bis 90 Prozent aller Ressourcen der Jugendräume gingen für Lebensmittel drauf. „Viele Eltern kochen nicht“, sagte Maschke. Die Kinder würden ohne ein Essensangebot in den Jugendräumen sonst bis zum Abend gar keine Mahlzeit zu sich nehmen können. Spenden an die gemeinnützige VIVA-Stiftung, die das Jugendzentrum betreibt, seien daher willkommen.
Angesichts des gestiegenen Bedarfs, etwa Preissteigerungen bei Lebensmitteln, entschied der Ortsbeirat einstimmig, die Dispositionsmittel von 750 Euro im Vorjahr auf 1000 Euro für 2026 zu erhöhen.
TOP 5: Mitteilungen
Wie bereits in der HNA am 16. Juni 2026 berichtet, schließt die Schlafmanufaktur Hornschu ihr Ladengeschäft an der Kohlenstraße. Die Baustelle, bei der Fernwärmeleitungen verlegt werden, habe die Kundschaft gegen Null gehen lassen.
Termine im Stadtteil
- Märchenfest Park Schönfeld: 28. Juni 2026
- Grimmfestival: 2. Juli 2026
- 75 Jahre Kasseler SV e. V.: 26. – 28. Juni 2026
- Wehlheider Kirmes: 14. – 17. August 2026
Wahl des 2. Stellvertreters
Jan Hörmann (CDU) war in der konstituierenden Sitzung zum 2. Stellvertreter von Ortsvorsteherin Madlen Freudenberg (Grüne) gewählt worden. Die Stadt Kassel ficht die Wahl jedoch an, weil sie nicht auf der Einladung zur Sitzung bekanntgegeben wurde. Somit gibt es einstweilen nur einen 1. Stellvertreter: Andreas Nitsch (SPD). Hörmann ist der Überzeugung, dass der Ortsbeirat jedoch keinen Fehler begangen habe. Es steht jedoch ebenfalls im Raum, den 2. Stellvertreter erneut – diesmal ordnungsgemäß – zu wählen. Hierfür wäre eine rechtzeitige Ankündigung nötig. Die Ortsbeiratsmitglieder haben sich jedoch zunächst darauf geeinigt, die Diskussion des weiteren Vorgehens bei der nächsten Ortsbeiratssitzung als Tagesordnungspunkt aufzunehmen.
Kommende Ortsbeiratstermine (vorläufige Planung)
- 20. August 2026 (erst war der 27. August geplant gewesen)
- 17. September 2026
- 22. Oktober 2026
- 19. November 2026
- 17. Dezember 2026
