Zivilklausel an der Uni Kassel: Demokratie als Simulation

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Protest vor dem Gießhaus: Die Zivilklausel muss bleiben, fordern die Studierenden. (Foto: dezentrale/Flickr)

Die Schlacht um die Zivilklausel ist einstweilen beendet. Das Gefecht am 4. November 2026 im Senat ging für das Uni-Präsidium aus. Die Studierenden besetzten daraufhin Hörsaal 1 im Campus-Center und wurden in der Nacht geräumt. Doch der Widerstand gegen die Militarisierung der Hochschule bleibt.

Kassel – Alle vier Jahre den Bundestag neu wählen: Juhu, wir haben eine Demokratie!

Darf ich meinen Chef wählen? Auf diese Frage kommt niemand. Warum auch? Sie wurde einem schon in frühen Jahren abtrainiert. In Elternhaus, Schule, Ausbildung und Studium wurde beigebracht: Unterordnung bringt dich weiter. Das eigene Gehalt ist verhandelbar? Mist, jetzt ist es passiert und dein männlicher Kollege kriegt mehr. Obwohl ihr doch dasselbe leistet?!

Der Untertan macht sich gemein mit den Anliegen seines Herrschers. Was der Herrscher will, ist gut. Protest? Das ist ketzerisch. Dann gibt es nur Streit. Die 16 Merkel-Jahre waren doch so schön kuschelig. Für die Griechen vielleicht weniger. Aber da müssen wir ja auch nur im Sommer zwei Wochen hin.

Wir haben uns einlullen lassen: Unsere schöne und gerechte Demokratie! Wir können unsere Herrscher schon machen lassen. Alles legitimiert. Alles bestellt von uns. Wenn’s schlecht läuft? Selbst schuld. In ein paar Jahren noch mal was anderes aussuchen, wie den Joghurt im Kühlregal. 

So ist sie angelegt: Unsere schöne Demokratie. Die beste aller schlechten Regierungsformen. PoWi-Leistungskurs, Berlinfahrt Januar 2013. Vertrauen ins System, das einen erzieht. 

Es war so einfach: Wirtschaftswachstum, Diesel-Passat, günstiger Döner, billiger Sprit, Konflikte am anderen Ende der Welt und nicht vor der Haustür. Die Syrer packen wir doch mit links. Ja, mit den ganzen linken Spinnern, die ehrenamtlich das ausbügeln, was der Staat nicht kann und zahlt. 

Jetzt ist der Russe da, kämpft gegen unsere Ukrainer, knabbert an der Ostflanke. Panzer und Raketen müssen her, Drohnen sowieso. Kassel als Drehscheibe der NATO. Unsere Werte verteidigen. Profit dem, der liefert. Rheinmetall-Aktionäre und KNDS-Erben beglücken. Staatlich abgesichert. 

Die Schuldenbremse gelockert – nur für die Aufrüstung. Bazooka-Milliarden vom Scholzomaten, der Merz macht’s ihm gleich. Kriegstüchtig, aber auch tüchtig an der Uni? Nein, lieber Hörsäle besetzen, als in der 8-Uhr-Vorlesung einzunicken. Diese Studis wollen keinen Krieg. Wer will auch sein Leben aufs Spiel setzen? Kassel 1943. Nie wieder. In Gaza mit deutschen Waffen trotzdem wieder passiert. 

Sie protestieren. Sie organisieren. Aber sie sind machtlos. Im Senat überstimmt, von Profs, die lieber kuschen vorm Dienstherrn, als sich solidarisch zu zeigen. 

So ist es angelegt. Demokratie auf dem Campus. Eine Simulation von Beteiligung. Wie schon in der Schule. Viel reden, keine Mittel, Macht beim Rektor. Hier: Macht bei den Beamten, wie’s der Landesfürstknecht prächtig findet. 

Solidarität mit den Herrschern, getippt in die Insta-Kommentare. Linksextreme raus aus den Hörsälen. Extrem so wie das, was früher mal die SPD wollte. Heute verbrämt durch eine Union, die nach der rechten Hand klammert. Um nicht ganz ins Bodenlose abzurutschen – oder geradedrum?